Das Weltsozialforum 2013 in Tunis

Vom 26. bis 30. März 2013 fand in Tunis das nunmehr elfte Weltsozialforum statt. Soziale Bewegungen und Organisationen aus der ganzen Welt trafen sich hierfür erstmals im nordafrikanischen Raum. Das politische Programm und die zahlreichen Diskussions- und Protestthemen gestalteten sich entsprechend der mehr als 1000 Einzelveranstaltungen und ca. 50 000 Teilnehmer_innen überaus vielfältig.

Die Stimmung auf dem Veranstaltungsgelände, als auch in den Workshops war für uns durchaus sehr ambivalent. An vielen Stellen war eine äußerst positive Stimmung zu spüren. Das Themenspektrum der Veranstaltungen reichte von Berichten und Diskussionen zur aktuellen Situation des Umbruchs in Tunesien, Ägypten und Syrien über Themen-Workshops zu Feminismus, gewerkschaftlicher Zusammenarbeit, Flucht und Migration im Mittelmeer-Raum oder Solidarität zwischen globalem Norden und globalem Süden, bis hin zur Rolle der Kunst in den arabischen Revolutionen. Der Austausch über die jeweilige politische Praxis in den eigenen Zusammenhängen und die Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Organisationen und Aktivist_innen sozialer Bewegungen stand dabei oftmals im Vordergrund und wurde produktiv genutzt.
Zugleich gab es jedoch auch zahlreiche Probleme sowie Exklusionen von Personengruppen und Themen. Auf dem zentralen Platz des Forums manifestierten sich beispielsweise die Konflikte um die Westsahara und die innersyrische Frage. Mit unter fanden hasserfüllte Aktionen mit scharfer Symbolik statt, die in Flaggenverbrennungen und antiisraelischen Formen der Palästinasolidarität gipfelten. Eine staatsnahe Organisation des iranischen Regimes durfte auf dem Veranstaltungsgelände zudem tagelang einen Informationsstand mit antisemitischer Propaganda betreiben. Im Zuge dessen kam es ebenfalls zur Verbrennung der israelischen Flagge durch Forumsteilnehmer_innen. Gerade diese Geschehnisse und der an einigen Punkten des WSF auftretende Möglichkeitsraum für antisemitische Aktionen warfen sehr deutlich Fragen hinsichtlich des emanzipatorischen und progressiven Gehalts des Weltsozialforums auf.

Der Kurzfilm ‚EIN_BLICK – Das Weltsozialforum vor der Kamera Bielefelder Studierender“ spiegelt einige unserer ambivalenten Eindrücke, zeigt einen kleinen Teil des weiten Themenspektrums des WSF 2013 und lässt Aktivist_innen aus verschiedenen politischen Zusammenhängen zu Wort kommen.

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